Barrierefrei und selbstbestimmt lernen

Social Entrepreneurship
(2014, 2022)

Bei unserer Einreichung 2012 stand „Barrierefreiheit“ im Fokus. Dieser atempo Bereich wurde seither inhaltlich weiterentwickelt und regional nach Deutschland ausgebaut. Im atempo Netzwerk „bereit für Barrierefreiheit“ engagieren sich jetzt über 100 Gemeinden. Die Fortschritte bei Barrierefreiheit, der Grundvoraussetzung für ein Leben von Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft, sind erfreulich. Dennoch leben mehr als 17.000 Menschen noch in institutionellen Einrichtungen. Hier setzt der atempo Bereich „Selbstbestimmung“ an.  Das atempo Modell für die Befragung der NutzerInnen von Wohnhäusern, Werkstätten und anderen Diensten gibt diesen eine Stimme (voice). Ihre Sicht auf die Qualität dieser Betreuungsangebote erhält damit endlich jenes Gewicht, das ihr eigentlich zukommen sollte.Das von atempo entwickelte Befragungs-Modell gilt europaweit als Vorbild, um Veränderung von Betreuungsangeboten im Sinne der NutzerInnen konkret auf den Weg zu bringen. Mehr als 9.000 NutzerInnen in 6 Ländern wurden damit schon aktiv einbezogen. Alleinstellungsmerkmal des atempo Modells ist, dass Menschen mit Behinderungen in allen Dimensionen involviert sind: Sie definieren was Qualität aus ihrer Sicht ist. Und sie selbst werden bei der Evaluation zur vorhandenen Qualität befragt. Zusatz-Plus: Auch in der Rolle der BefragerInnen agieren speziell ausgebildete Personen aus der Zielgruppe. Mehr als 30 bezahlte Jobs für Menschen mit Behinderungen wurden dafür im atempo Netzwerk schon
geschaffen.

Nominiertenbegründung

atempo hat es sich zum Ziel gesetzt, Menschen mit Lernschwierigkeiten und Behinderung raus aus den Institutionen zu holen und in die Gesellschaft zu integrieren. Dabei stehen individuelle Bildung, Barrierefreiheit und Selbstbestimmung der Menschen im Zentrum. Die Jury honorierte insbesondere die kontinuierliche Weiterentwicklung des steirischen Social Entrepreneurs. Während das Unternehmen im Jahr 2012 für das hohe Engagement im Bereich Barrierefreiheit nominiert wurde, besticht atempo in diesem Jahr mit einem innovativen Befragungsmodell, das den NutzerInnen von Wohnhäusern, Werkstätten und anderen Diensten ermöglicht, mitzubestimmen. Das Modell gilt europaweit als Vorbild, 9.000 NutzerInnen aus 6 Ländern wurden bereits eingebunden. Darüber hinaus überzeugte die Jury die hohe Wirtschaftlichkeit des Unternehmens wie auch der kontinuierliche Netzwerk-Ausbau.

Projektfotos

gabi faber wiener

Hon. Prof. (FH) Gabriele Faber-Wiener, MBA​

Leitung Center for Responsible Management
„Der TRIGOS ist der wichtigste Preis für Nachhaltigkeit und CSR in Österreich und gleichzeitig ein Spiegel. Er zeigt auf wo wir uns auf diesem wichtigen Weg befinden. Ich habe vor sechs Jahren die Kriterien und das Juryprocedere überarbeitet und leite seither die Jurierung.
Es ist für mich immer wieder inspirierend, mit klugen und reflektierten KollegInnen die Einreichungen zu diskutieren. Bei uns müssen sich alle einigen, wir haben kein Mehrheits-, sondern Konsensprinzip, und das geht nur mit Argumenten.
Das ist eine große Herausforderung, aber gleichzeitig die Quelle für die hohe Glaubwürdigkeit des TRIGOS. Diskurs ist auch für die Zukunft der Nachhaltigkeit essenziell, nicht nur beim TRIGOS. Wir brauchen mehr Reflexion, mehr Austausch auf Augenhöhe und weniger Beharren auf Standpunkten“