TRIGOS NÖ 2025: Das sind die Gewinner:innen

Im Rahmen der feierlichen Gala des regionalen TRIGOS Niederösterreich am 15. September 2025 auf der Burg Schallaburg wurde den Nominierten und Gewinnern:innen ihre wohlverdiente Bühne gegeben und nachhaltiges Wirtschaften gefeiert. Der TRIGOS Niederösterreich 2025 wurde in den Kategorien Regionale Wertschaffung, Vorbildliche Projekte und Klimaschutz vergeben.

Die Gewinner:innen: 

KATEGORIE REGIONALE WERTSCHAFFUNG

Fürst Holding GmbH:
Alte Tischlerei wird zum Ort der Begegnung

Die Fürst Holding GmbH ist ein familiengeführtes Unternehmen in vierter bzw.  fünfter Generation und spezialisiert sich mit ihrer Tochter Fürst Möbel GmbH auf die Planung, Fertigung und Montage von Maßmöbeln im Objektbereich. Das Unternehmen ist tief in der Region verwurzelt und setzt seit jeher auf einen hohen handwerklichen Qualitätsanspruch, auf umfassende Lehrlingsausbildung und eine langjährige Verbleibdauer von Mitarbeiter:innen – mit Erfolg: 70% der Belegschaft sowie 70% der Führungsebene haben im Haus gelernt. 

Mit dem Projekt „Tischlerei Melk“ hat sich das Unternehmen entschieden, ein ehemaliges Produktionsareal im Zentrum von Melk nicht zu verkaufen, sondern es in einen multifunktionalen Lebens- und Arbeitsraum zu verwandeln. Es ist eines der ersten New European Bauhaus-Quartiere im ländlichen Raum in ganz Europa. In einem intensiven co-kreativen und partizipativen Prozess mit über 1.000 lokalen, regionalen und internationalen Beteiligten aller Alters- und Bildungsschichten entstanden u. a. ein Hostel, ein Familienquartier, ein Werkraum für Kinder, ein Coworking Space sowie ein Raum für „Afterwork-Events“ zum Netzwerken. 1.400 m² Leerstand wurden damit revitalisiert, zahlreiche Kinder für das Handwerk Holz begeistert und der Ortskern und sowie die gesamte Region spürbar belebt. 

Durch das Projekt hat die Fürst Holding GmbH zudem Kontakte zu zahlreichen neuen Stakeholdergruppen und Unternehmen geknüpft und ihre Tätigkeit als Quartiersentwickler begonnen, die künftig neben der Möbelproduktion ein weiteres Standbein werden soll.

Das Projekt vereint somit nachhaltige Flächennutzung, Ortskernbelebung  und gesellschaftliche Wirkung – und steht exemplarisch dafür, wie unternehmerische Verantwortung und weitreichende Einbindung der Stakeholder zu innovativen Zukunftsprojekten führen können.

KATEGORIE VORBILDLICHE PROJEKTE

KASTNER Service GesmbH:
KI-gestütztes Bestellsystem für die Nahversorgung

Die KASTNER Gruppe ist ein traditionsreiches, seit 1828 im Familienbesitz befindliches Großhandelsunternehmen mit Sitz in Zwettl im Waldviertel. Als einer der führenden Lebensmittel-Großhändler Österreichs beliefert KASTNER mit einem Sortiment von rund 60.000 Artikeln selbstständige Nah&Frisch-Kaufleute, Gastronomiebetriebe, Großküchen sowie selbstständige Naturkostfachhändler und die Bio-Gastronomie in Österreich sowie im benachbarten Ausland.

Im Rahmen eines innovativen Projekts zur Reduktion von Lebensmittelverschwendung wurde 2023 ein Machine-Learning-Algorithmus des St. Pöltner Start-ups „Circly“ mit Verkaufsdaten aller Artikel, Aktionsdaten, Wetterdaten und Feiertagen angelernt, um das Verkaufsvolumen und die daraus resultierenden Bestellmengen für die Kaufleute vorherzusagen. Ziel war es, durch bessere Prognosen Kaufleuten eine bedarfsgerechtere Bestellung zu ermöglichen und damit die Lebensmittelverschwendung von Anfang an signifikant zu reduzieren. Nach einer erfolgreichen Pilotphase wurde das System 2024 auf alle KASTNER Nah&Frisch-Kund:innen ausgerollt. Die KI-gestützte Lösung wurde direkt in die Scanner integriert, mit denen Kaufleute ihre Bestellungen tätigen. Die Prognosegenauigkeit liegt bei bis zu 90 % bei frischer Ware, wodurch nicht nur Zeit bei der Disposition eingespart, sondern auch die Logistik effizienter gestaltet werden konnte – unter anderem reduzierte sich der Arbeitsaufwand für die Bestellung um bis zu sechs Stunden pro Woche.

Das Projekt ist ein Meilenstein für mehr Nachhaltigkeit im Handel, da es Ressourcen schont, CO₂ einspart und die Lebensmittelverschwendung bereits an der Wurzel bekämpft.

KATEGORIE KLIMASCHUTZ

Forster Metallbau GesmbH:
Energieintensiver Prozess der chromfreien Vorbehandlung und der Pulverbeschichtung ohne fossile Energieträger

Die Forster Metallbau GmbH ist ein familiengeführtes Unternehmen, das sich auf die Herstellung von Metallbaukonstruktionen wie zum Beispiel Infrastrukturprojekte und Lärmschutzelemente spezialisiert hat. Nachhaltigkeit hat dabei einen hohen Stellenwert. Im Unternehmen herrscht ein Bewusstsein zu den Problembereichen der energieintensiven Metall-Industrie, daraus resultiert eine Nachhaltigkeitsstrategie, die auf den schonenden Umgang mit Ressourcen und auf die Reduktion von Emissionen setzt. Forster Metallbau verfolgt eine schrittweise Umstellung auf kreislauffähige Materialien, erneuerbare Energiequellen und schadstofffreie Vorbehandlungsverfahren, inklusive der Anwendung der ONR 192500, einem zertifizierten und anerkannten Nachhaltigkeitsmanagementsystem.

Vor der Umsetzung des Projekts war die Pulverbeschichtung und Vorbehandlung bei Forster Metallbau stark von fossilen Energieträgern abhängig. Darum wurde ein umfassendes Konzept zur Dekarbonisierung des Beschichtungsprozesses umgesetzt. Die bis dahin verwendeten Gasbrenner wurden durch ein Biomasse-Heizkraftwerk mit Thermoöl-Technologie ersetzt. Das System wurde mit einem CO2-überwachten Steuerungskonzept gekoppelt, um Emissionen kontinuierlich zu erfassen und weitere Einsparpotenziale zu identifizieren. Ein begleitendes Schulungs- und Monitoringprogramm stellt sicher, dass die Umstellung dauerhaft wirksam bleibt und im Arbeitsalltag verankert wird.

Die erzielten Ergebnisse lassen sich deutlich in Zahlen belegen. So führt beispielsweise die Umstellung auf die Biomasse-Wärmeträgeröl-Technologie zu einer 85%igen Reduktion der CO₂-Emissionen, was über einen Zeitraum von zehn Jahren rund 11.261 Tonnen CO₂ einsparen kann. Das Projekt zeigt, wie ein Betrieb in einer energieintensiven Industrie Maßnahmen ergreifen kann, um Umweltbelastungen substanziell zu verringern.

Diesen Beitrag teilen:
gabi faber wiener

Hon. Prof. (FH) Gabriele Faber-Wiener, MBA​

Leitung Center for Responsible Management
„Der TRIGOS ist der wichtigste Preis für Nachhaltigkeit und CSR in Österreich und gleichzeitig ein Spiegel. Er zeigt auf wo wir uns auf diesem wichtigen Weg befinden. Ich habe vor sechs Jahren die Kriterien und das Juryprocedere überarbeitet und leite seither die Jurierung.
Es ist für mich immer wieder inspirierend, mit klugen und reflektierten KollegInnen die Einreichungen zu diskutieren. Bei uns müssen sich alle einigen, wir haben kein Mehrheits-, sondern Konsensprinzip, und das geht nur mit Argumenten.
Das ist eine große Herausforderung, aber gleichzeitig die Quelle für die hohe Glaubwürdigkeit des TRIGOS. Diskurs ist auch für die Zukunft der Nachhaltigkeit essenziell, nicht nur beim TRIGOS. Wir brauchen mehr Reflexion, mehr Austausch auf Augenhöhe und weniger Beharren auf Standpunkten“