Montag 21. August 2017

Nominiertenbegründungen TRIGOS 2017 - Ganzheitliches CSR-Engagement: Kleinunternehmen

 

BREDDYS GmbH

 

BREDDYS entwickelt, produziert und verkauft seit 2015 Crossover Hosen und legt in einer unübersichtlich gewordenen Welt der kurzfristigen Modetrends Wert auf lange Produktlebensdauer und regionale Wertschöpfung. Bei Materialauswahl und Produktionsstätten setzt BREDDYS zu 100 % auf Europa, wo immer möglich auf Österreich. Damit schafft das Unternehmen Arbeitsplätze mit hohen sozialen Standards nahe zu den Verbrauchermärkten und reduziert Umweltauswirkungen durch kurze Transportwege. Die nachhaltige Lieferkette ermöglicht eine Reduktion des Wasser- und Energieverbrauches in der Herstellung um mehr als 70 % und beeindruckte die Jury besonders. Ein hoher Innovationsgrad ist auch bei der Auswahl der nachwachsenden Rohstoffe erkennbar. Mit den Produktlinien BIOS und BIOS+ setzt BREDDYS auf die Rizinuspflanze. Im Gegensatz zur Baumwolle wächst die Rizinuspflanze auf kargen Böden, benötigt sehr wenig Wasser und steht dadurch nicht im Wettbewerb zur Nahrungsmittelerzeugung. Das Unternehmen nimmt auch seine gesellschaftliche Verantwortung wahr und beschäftigt Menschen am zweiten Bildungsweg sowie Halbtagskräfte, die ihre Arbeitszeiten flexibel gestalten können. Um die Tragedauer der Produkte bestmöglich zu verlängern und der heutigen, weitverbreiteten „Wegwerfgesellschaft“ entgegen zu wirken, bietet BREDDYS zusammen mit lokalen Änderungsschneiderein die „Hosenwerkstatt“ zur Reparatur kaputter Hosen an.

 

CUITEC Großküchentechnik GmbH

 

Kerngeschäft der CUITEC Großküchentechnik GmbH ist der Vertrieb und die Instandhaltung von gewerblichen Kücheneinrichtungen. Dies beinhaltet den gesamten Lebenszyklus entsprechender Einrichtungen. Die „CUITEC-Nachhaltigkeitsstrategie 2020“ wurde 2012 im Zuge des Projektes „Erfolg mitFAIRantwortung“ erstmals erarbeitet und dient seither als strategische Basis des nachhaltigen Engagements im Unternehmen. Die Ziele sind in fünf Themenbereiche gegliedert: Energie, Rohstoffe, MitarbeiterInnen, Stakeholder und Sozialengagement. Die Jury beeindruckte der Ansatz zur Bewusstseinsbildung beim Kunden: Angebote zu den angefragten Geräten werden jeweils um Alternativen ergänzt, die sich durch Energieeffizienz, verwendete Materialien, Ressourcenverbrauch (Wasser, Chemie) bzw. Instandsetzungspotential positiv vom angefragten Produkt unterscheiden. Diese Differenzierung wird im Angebot erläutert und die langfristigen Auswirkungen dargestellt – so wird beim Kunden ein Bewusstsein für nachhaltige Alternativen geschaffen. Darüber hinaus werden kostenlose Analysen zu Energieverbrauch und Ressourcenoptimierung angeboten. Mit Februar 2016 startete das Unternehmen das Projekt Energieautarkie: Strom wird durch eine Photovoltaikanlage und eine Kleinwindkraftanlage erzeugt, über eine umweltfreundliche Redox-Flow-Speicherbatterie werden Geothermal-Wärmepumpe und internes Stromnetz versorgt. Ergänzt wird die Anlage um eine Stromtankstelle, die auch straßenseitig von Dritten genutzt werden kann. Im Unternehmen werden Geräte und Einrichtungen, die mit wirtschaftlich sinnvollem Aufwand Instand gesetzt werden können, als Leih- oder Gebrauchtgeräte weiterverwendet um der Verschwendung entgegenzuwirken.

 

dahir GmbH

 

Die dahir GmbH ist eine sozial ökonomische Hausverwaltung deren Kerngeschäft in der Verwaltung und Betreuung von Liegenschaften und deren Mietern in problematischen/schlechten Lagen im urbanen Umfeld liegt. dahir adressiert die gesellschaftliche Herausforderung, dass Flüchtlinge und Menschen mit Migrationshintergrund bei der Wohnungssuche abgelehnt werden und hat die Jury durch seinen innovativen Ansatz der flexibleren und inklusiven Hausverwaltung überzeugt. Das Kerngeschäft von dahir fokussiert darauf die sozialökonomische Wertschöpfungskette in den Lebensräumen zu halten und MieterInnen die Möglichkeit zu geben neue Rollen zu übernehmen (HausbetreuerInnen, Integrationslotsen, MaklerInnen, etc.). Durch den direkten Kontakt zwischen MieterInnen und dahir kann die Anonymität innerhalb der Liegenschaft aufgebrochen werden und das Konfliktpotential wird verringert. Das Eingehen auf die speziellen Bedürfnisse von Menschen in gesellschaftlichen Randgruppen, reduziert auch Opportunitätskosten (Anwalts-, Instandhaltungs-, Mahnkosten, etc.) und bringen EigentümerInnen eine höhere Rendite für „Problemliegenschaften“. Bemerkenswert ist weiters der vorbildhafte Umgang mit MitarbeiterInnen und das ökologische Engagement. In den Liegenschaften werden Müll- und Wasserseminare für eine verbesserte Mülltrennung und eine Wasserverbrauchsreduktion abgehalten, die Reinigung wird von HausbetreuerInnen in den Liegenschaften übernommen, um Transportwege zu vermeiden und bei der Wahl der Putzmittel wird auf ökologische Produkte gesetzt. Geplant sind auch Gemeinschaftsgärten, um niederschwellige Orte der Begegnung zu schaffen und somit einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

 

farmgoodies gmbh

 

farmgoodies produziert und verkauft hochwertige Pflanzenöle, Samen und handgemachte Senfe in Bio-Qualität. Das kleine Familienunternehmen wurde vor fünf Jahren mit dem Ziel die lokale Bio-Landwirtschaft zu stärken sowie Unabhängigkeit vom globalen Rohstoffmarkt zu erreichen, gegründet. Das Unternehmen konnte die Jury durch seine umfassende, nachhaltige Lieferkette überzeugen: Rohstoffe zu 100 % aus Österreich, persönlicher Kontakt mit allen 25 Bio-Landwirten, Verpackungen aus Glas, Papier und Kartonagen, klimaneutraler Druck, Energie durch die hauseigene Hackschnitzelheizung und Wasser vom eigenen Hausbrunnen zeichnen den Betrieb aus. farmgoodies leistet dadurch einen wertvollen Beitrag zur Bodenerhaltung, zum Schutz der Artenvielfalt sowie zur Abfallreduzierung und –vermeidung. Mit Hilfe von Social Media, Newsletter, Homepage/Blog und direkten Kundengesprächen wird das Bewusstsein für verantwortungsvolles Wirtschaften und Bio-Landwirtschaft gestärkt. farmgoodies trägt zum Aufschwung einer benachteiligten Region bei und fördert durch Investitionen (Abfüllanlage, Ölpresse) die heimische Wertschöpfung. Das Familienunternehmen nimmt auch seine gesellschaftliche Verantwortung wahr und unterstützt Menschen mit psychosozialen Beeinträchtigungen. Seit ungefähr vier Jahren unterstützen die Klienten von pro mente Oberösterreich das Unternehmen alle 14 Tage bei Arbeiten im Betrieb.

 

Labonca Biohof GmbH

 

Der Labonca Biohof zeichnet sich durch vielerlei Aspekte als Vorreiterbetrieb aus: als größte Bio-Freilandhaltung Österreichs für Schweine und Rinder steht 400 Schweinen und 20 Rindern eine Fläche von 250.000m2 Freiland zur Verfügung. Labonca hat europaweit zudem das einzige EU-zertifizierte Weideschlachthaus mit direktem Weidezugang für eine absolut angstfreie Schlachtung der Tiere. In der Fleischverarbeitung wird gänzlich auf Zusätze verzichtet; mit dem „Nose to Tail“ Konzept werden Reste vermieden, da Tiere nur im Ganzen an die Gastronomie verkauft werden. 2016 wurde der Biohof erneut mit dem Österreichischen Bundestierschutzpreis ausgezeichnet; ein weiterer Meilenstein ist das Projekt "Sonnenschweine", wo Freilandhaltungssystemen entwickelt wurden, die wirtschaftlich funktionieren. Das umfassenden Nachhaltigkeitsverständnis des Betriebs überzeugte die Jury, welche darüber hinaus die Bewusstseinsbildung beim Kunden durch Besichtigungen hervorhebt. Bemerkenswert sind weiters die Barrierefreiheit des Betriebs sowie das MitarbeiterInnen-Engagement.

 

Tischlerei & Möbelhandel Kovacs

 

Das Familienunternehmen in zweiter Generation verarbeitet vorwiegend Massivholz zu Möbeln der Inneneinrichtung. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Verarbeitung von regionalem Zirbenholz. Die Verarbeitung erfolgt gänzlich ohne Metall. Beim Holzeinkauf wird trotz höherem Preis auf Regionalität geachtet; die angebotenen Produkte der Tischleier werden nach einer „Nachhaltigkeitsmatrix“ bewertet: betrachtet wird dabei der gesamte Lebenszyklus der Produkte sowie die Säulen Ökologie, Ökonomie und Gesellschaft – insgesamt kommen 63 Indikatoren zum Einsatz. Die Jury lobt dieses Engagement, dass die Bewusstseinsbildung beim Kunden vorantreibt und die eigene Auseinandersetzung mit dem Thema zeigt. Darüber hinaus setzt die Tischlerei auf die Lebensverlängerung alter Möbel: Nach einer umweltfreundlichen Restaurierung werden alte Möbel an  das Versteigerungshaus Wimpassing verschenkt, wo sie günstig an weniger finanzstarke Menschen abgegeben werden. Die Jury beeindruckte weiters die Vermittlung von Lehrlingen an Mitbewerber: der Betrieb bildet mehr Lehrlinge aus, als er selbst behalten kann und vermittelt diese je nach fachlichem Interesse an Mitbewerber weiter. Die CO2-Neutralität des Betriebs möchte die Tischlerei künftig auch auf Baustellen ausweiten, zudem zeichnet sie sich dadurch aus, dass keine deponierbaren Abfälle entstehen – sowohl im Einkauf als auch bei der Verpackung wird darauf geachtet, restmüllfrei zu arbeiten.

Träger
& Sponsoren
http://trigos.at/