Samstag 16. Dezember 2017

Nominiertenbegründungen TRIGOS 2015 - Social Entrepreneurship

 

Equalizent Schulungs- und Beratungs GmbH

Equalizent ist ein bilinguales Bildungs- und Innovationszentrum für Gebärdensprache & Diversity Management. Dabei qualifizieren 43 gehörlose und hörende Angestellte Gehörlose, um Ihnen eine gleichberechtigte Teilhabe am Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Equalizent sieht sich als „Volkshochschule für Gehörlose“, setzt Initiativen für eine Höherqualifizierung und Arbeitsplatzintegration und ist bestrebt, neue Berufsfelder für Gehörlose zu eröffnen. Das Bildungszentrum erstellt zusätzlich multimediale Technologien für Gehörlose, beispielsweise eine SIGN Library und eine Online-Bücherei, in der Bücher in Gebärdensprache übersetzt werden. 2014 wurde eine App für das spielerische Erlernen der Gebärdensprache entwickelt. Die Jury würdigt den authentischen Beitrag zur Chancengleichheit für Menschen mit Behinderung sowohl in der Tätigkeit von equalizent als auch im eigenen Unternehmen (15 von 42 Personen sind gehörlos).

 

Helios Sonnenstrom GmbH

Helios Sonnenstrom GmbH betreibt eines der größten Sonnenkraftwerke Österreichs. Im Bezirk Freistadt, OÖ, wurden 218 Photovoltaikanlagen auf öffentlichen und privaten Dachflächen errichtet. Via Internet sind alle Anlagen mit einer Fläche von 30.000 m2 zu einem Sonnenkraftwerk zusammengeschlossen. Das ergibt eine Jahresproduktion von 4.300 MWh Ökostrom und eine Einsparung von 1.720 Tonnen CO2. Gleichzeitig dient ein BürgerInnenbeteiligungsmodell zur Finanzierung, knapp ¾ des Investitionskapitals von ca. 7,5 Mio Euro konnten durch diese Darlehen von Bürgerseite für die Errichtung der PV-Anlagen erzielt werden. Die Jury honoriert diesen Ansatz einer fairen Finanzierung mit Bürgerbeteiligung, um abseits des klassischen Kapitalmarktes eine Investition in die alternative Energieversorgung zu erreichen. Besonders hervorzuheben ist auch die intensive Zusammenarbeit mit BürgerInnen und Gemeinden sowie der regionalen Wirtschaft.

 

Specialisterne Austria

Das Unternehmen Specialisterne unterstützt Menschen mit Asperger-Syndrom und begleitet sie auf ihrem Weg zum ersten Arbeitsplatz. Inselbegabungen werden gefördert und das Talentepool den Unternehmen zugänglich gemacht. Obwohl Menschen mit autistischer Wahrnehmung oft für die Wirtschaft nützliche Fähigkeiten haben, ist ein Großteil der Menschen mit Asperger-Syndrom (ca. 80%) arbeitslos. Durch gezielte Qualifizierung und Begleitung werden Hürden wie Einstellungsgespräche oder Teamarbeit entschärft und eine langfristige Eingliederung am Arbeitsmarkt ermöglicht. Eine quantitative Prognose des Social Return of Investment (SROI) ergibt für jeden investierten Euro in Specialisterne Österreich einen SROI von Euro 6,28 für die Gesellschaft. Die Jury ist beeindruckt von den Bestrebungen, der Wirtschaftswelt vor Augen zu führen, welch herausragende Leistungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit autistischer Wahrnehmung für Unternehmen erbringen können, und wie durch eine Anstellung die Vielfalt der Belegschaft erhöht bzw. soziale Verantwortung wahrgenommen wird. In der Zeit von 2013 bis 2014 konnten 15 Personen in sozialversicherungspflichtige Tätigkeiten vermittelt werden.

 

Unser Kraftwerk Naturstrom GmbH

Unser Kraftwerk sieht sich als Start-Up, das als Katalysator Projekte und Bürgerinnen und Bürger zusammenbringt, um Sonnenkraftwerke zu finanzieren und umzusetzen. Das Unternehmen übernimmt dabei die Koordinationsaufgabe von der Projektentwicklung, Tarifgenehmigung bis hin zur Errichtung bzw. Betrieb der Sonnenkraftwerke. Derzeit wird mit 12 Sonnenkraftwerken erneuerbare Energie produziert. Wert legt Unser Kraftwerk dabei auf die regionale Wertschöpfung und bindet lokale Firmen bei der Errichtung und dem technischen Betrieb der Kraftwerke ein.

Die Photovoltaik-Paneele werden der Bevölkerung zum Kauf angeboten und mit 3% p.a. zurückgeleast. Damit wird eine hohe Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit den Sonnenkraftwerken erreicht. Seit Beginn des Unternehmens Anfang 2013 konnte bis Ende 2014 eine beachtliche Leistung von 5,3 mWp erbracht werden. Pro Paneel errechnet sich eine CO2-Vermeidung von etwa 100 kg pro Jahr. In zwei Jahren konnten mehr als 22.000 Paneele mit Unterstützung von mehr als 1.000 Bürgerinnen und Bürgern verbaut werden, was einer Einsparung an CO2 von 2.200 Tonnen pro Jahr entspricht. 1.700 Haushalte können mit erneuerbarer Energie versorgt werden. Durch die Zeitung „Blickpunkt Sonnenenergie“ wird der Kontakt zu den beteiligten Bürgerinnen und Bürgern und anderen Partnern gestärkt. Die Jury schätzt auch die Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung bei Schülerinnen und Schülern. Ein Photovoltaik-Lehrgang und ein Sonnenkraftwerk auf einer Schule fördern diese Grundhaltung der Eigenverantwortung.

Träger
& Sponsoren
http://trigos.at/